
Anmerkungen zur Transkription:
Worte, die im ursprünglichen Fraktur-Text in Antiqua gesetzt waren,sind hier kursiv wiedergegeben. Die Rechtschreibungund Zeichensetzung des Originals wurde weitgehend übernommen. Am Ende des Textes befindet sich eineListe vorgenommener Korrekturen.
Roman
von
Fr. Lehne

Leipzig und Bern
Verlag von Friedrich Rothbarth
Alle Rechte vom Verleger vorbehalten
Verlagsnummer 141
Printed in Germany
Buchdruckerei Helm & Torton, Leipzig O 27

Ruhig, mit einem ganz kleinen Lächeln um den feinen, klugen Mund,blickte Beate ihrem aufgeregt im Zimmer herumgehenden Vater nach.
Sie war sich ihrer Sache gewiß, und es stand fest bei ihr, daß sie ihrVorhaben auf jeden Fall auch ausführen wollte! Halb hatte sie ja denVater schon bekehrt; der erste Ausbruch seiner Erregung war bereitsvorüber — was er jetzt sagte, war nur noch ein schwacher Versuch zumWiderstand.
»Du bist ja verrückt, Beate!« Herr Haßler schüttelte den Kopf und bliebvor der Tochter stehen, die bequem in einem Schaukelstuhl lag, die Händeim Nacken verschränkt.
»Aber warum, Vater?« lautete ihre gleichmütige Frage. »Ich sehe dieBerechtigung dieses Ausspruchs nicht ein!«
»Ach was! Larifari,« brummte er, »jeder vernünftige Mensch wird mirrecht geben, wenn ich dir kurzerhand verbiete, zu studieren! Ich ärgeremich schon genug, daß ich dir nachgegeben habe darin, ein Gymnasium zubesuchen — wenn ich geahnt hätte —«
»Aber, Vaterchen,« unterbrach sie ihn in schmeichelndem Ton, »aber,Vaterchen, hat dich denn mein glänzend bestandenes Abiturium nichtgefreut?«
»Das wohl, Mädel, und ganz kolossal! Aber ich dachte, damit wäre derUnsinn endgültig vorüber.«
»Nein, jetzt soll es erst recht beginnen.« Sie breitete die Arme weitaus. »Ach, du glaubst nicht, wie ich mich darauf freue, weiter zulernen!«
»Noch mehr lernen? Ich meine, du hättest gerade genug unnützes Zeug indeinen Kopf gepropft! — Was dir nun noch fehlt, das kannst du hier beiMutter am besten lernen! Bekümmere dich jetzt mal um die Küche und dasHaus — ich glaube, davon verstehst du weniger als ein zehnjährigesMädchen!«
Beate lachte. »Da magst du schon recht haben, Vaterchen, aber dennochverspüre ich zu derartigen prosaischen Beschäftigungen durchaus keineLust — andernfalls würde ich schon schnell hinter die Geheimnisse vonMamas Walten und Wirken kommen! Denn was ich will, das kann ich auch.«Bei